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Miguel Brusch

22.10.15

Die S-Bahnstation Veddel in Wilhelmsburg

Foto: Roland Magunia

Die S-Bahnstation Veddel in Wilhelmsburg Foto: Roland Magunia

In Wilhelmsburg muss für eine Fahrt über zwei Stationen der Tarif für den HVV-Großbereich bezahlt werden. Woran liegt das?

Hamburg.  Wer häufig im Reiherstiegviertel in den Metrobus M13 steigt, der kennt die erstaunten Gesichter mancher Elbinsel-Besucher beim Fahrkartenkauf: Für den kürzesten Weg von der Harburger Chaussee nach Hammerbrook – eine Station mit dem Bus und eine mit der S-Bahn – muss der Fahrgast gleich 3,10 Euro für den HVV-Großbereich hinlegen. Wer also die Elbinsel über die vielbefahrenen Linien M13, S3 und S31, auch in Richtung Süden, verlassen will, muss immer tief in die Tasche greifen.

Zum Vergleich: Der Großbereichtarif gilt zum Beispiel auch für eine eineinhalbstündige Bahnfahrt von Wedel nach Großhansdorf. Und eine Fahrt von der Kellinghusenstraße, von Barmbek oder vom Altonaer Bahnhof zum Hauptbahnhof kostet nur 2,10 Euro für den Nahbereich, obwohl weitaus mehr Stationen dazwischen liegen als bei einer Fahrt aus Wilhelmsburg zum Hauptbahnhof.

Warum sind die Unterschiede in der Tarifbemessung so drastisch? „Wir haben ein System, das sich nicht an der Anzahl der Stationen, sondern an der Fahrstrecke orientiert“, erklärt HVV-Sprecher Rainer Vohl dazu. Der Verkehrsverbund habe festgelegt, dass der Kurzstreckentarif von 1,50 Euro pro Fahrt bis zu einer Streckenlänge von 2,5 Kilometern gelte und der Tarif für den Nahbereich bis fünf Kilometer. Für längere Strecken müsse der Tarif für den Großbereich bezahlt werden.

Zusätzlich dazu gilt das Konzept der Ringe, Tarifzonen und Zahlgrenzen. Alle Linien werden mittels Zahlgrenzen in Teilbereiche unterteilt, die zur Feststellung des Geltungsbereichs der Einzelkarten im Kurzstrecken- und Nahbereich dienen, wie der HVV auf seiner Webseite angibt. Da auf der Strecke Harburger Chaussee bis Hammerbrook mehrere Zahlgrenzen aufeinander treffen, muss der teuerste Tarif bezahlt werden.

Kritik an dem undurchsichtigen System gibt es immer wieder. Auch der HVV gibt zu, dass die Preise nicht einfach zu durchschauen sind: „Ich bin der Letzte, der sagen würde, dass das Tarifsystem nicht kompliziert ist“, so Sprecher Vohl. Große Veränderungen stehen aber nicht zur Debatte. Sobald das Tarifsystem vereinheitlicht werde, gebe es immer Menschen, die sich benachteiligt fühlten, wenn dann auf ihrer Strecke die Preise steigen.

Das Konzept der Tarifbemessung nach der Streckenlänge ist zudem nicht ganz schlüssig, denn die S-Bahnstrecke Altona-Hauptbahnhof und die U-Bahnstrecke Barmbek-Hauptbahnhof sind zum Beispiel deutlich länger als fünf Kilometer, während zwischen Harburger Chaussee und Hammerbrook knapp fünf Kilometer liegen.

Für einen einkommensschwachen Stadtteil mit einem hohen Anteil von Sozialempfängern und Flüchtlingen wie Wilhelmsburg ist diese Tarifbemessung nicht unproblematisch. „Wir haben die Hoffnung, dass die Sozialkarte da entgegenwirkt“, erklärt Vohl. Empfänger von Sozialleistungen in Hamburg, die eine solche Karte besitzen, erhalten damit 20 Euro Rabatt auf eine Monatskarte.