26.10.15

Bauprojekt Stadtentwicklung in Wilhelmsburger Mitte geht voran

Von Jochen Gipp

Vorbereitungen für den Bau der Neuen Wilhelmsburger Reichsstraße schreiten voran. Bürgersprechstunde am 28. Oktober

Wilhelmsburg.  Die ersten neuen Bahngleise liegen bereits, und eine erste neue Weiche gibt es auch schon. Auf der Elbinsel Wilhelmsburg wird mit Hochdruck an der Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße auf den Westrand des bisherigen Bahngeländes gearbeitet. Dafür müssen dort alte Gleise abgebaut werden. Die neue Gleisstrecke kommt in die Mitte des Bahngeländes und schafft am Westrand Platz für die Straße. 2019 soll die vierspurige neue Wilhelmsburger Reichsstraße dann zwischen Ernst-August-Kanal im Norden und Hauland im Süden im neuen Streckenverlauf fertiggestellt sein. Im alten Straßenverlauf entsteht neuer Raum für die weitere Stadtentwicklung in der Wilhelmsburger Mitte.

Was im einzelnen passiert, können Bürger am Mittwoch, 28. Oktober, 17 bis 18 Uhr, bei einer Sprechstunde im DEGES-Baubüro, Rotenhäuser Straße 14, erfahren. Auch Beschwerden können sie loswerden. Die für das große Bauprojekt zuständige DEGES (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) kündigt an, Rede und Antwort stehen zu wollen.

Autofahrer, die täglich auf der Wilhelmsburger Reichsstraße unterwegs sind, bekommen bereits erste Eindrücke von den Veränderungen: Zwischen der Anschlussstelle Wilhelmsburg-Süd (Kornweide) und der Europabrücke ist eine Baustelle eingerichtet. Dort wird derzeit unter laufendem Verkehr eine Brücke gebaut, die über einen neu verlegten Graben (Wettern) führt. In dem Straßenabschnitt soll später auch noch ein Anschluss an die geplante Autobahn A26 erfolgen. Die Kornweide erhält anstelle ihrer derzeitigen Behelfsbrücke eine neue Brücke. Während der Bauzeit ab Mitte 2016 wird der Verkehr die Wilhelmsburger Reichsstraße im Bereich der jetzigen Zu- und Abfahrten mit einer Ampelkreuzung queren.

Unter laufendem Güterzugverkehr wird derzeit auch die Hafenbahn-Gleisstrecke Hohe Schaar im Abschnitt Hauland verändert. Während bereits jetzt zwei Gleise nach Süden in Richtung Harburg abzweigen, gab es bislang nur ein Gleis nach Norden in Richtung Veddel. Zur Beschleunigung des Hafenbahnverkehrs wird auch nun auch nach Norden ein zweites Gleis gebaut. Weil die neue Wilhelmsburger Reichsstraße den Bahndamm künftig im Bereich Hauland unterqueren wird, sind bereits Behelfsbrücken unter die Gleise gebaut worden. Sie ermöglichen den Bau einer offiziellen Bahnbrücke in Stahl-Fachwerk-Bauweise. Diese Brücke soll im Dezember 2016 eingeschoben werden. Danach kann der Bahndamm für den Straßenbau durchbrochen werden.

Wer sich derzeit im Wilhelmsburger Zentrum auf die Thielenbrücke stellt, sieht bereits viel geräumtes Bahngelände. DEGES-Projektleiter Martin Steinkühler sagt: „Hier wird Schotter gesiebt und aufbereitet. Vorhandenes Material soll für den neuen Gleisbau verwendet werden. Obwohl nur 2,8 Kilometer alte Gleisstrecke dem Straßenbau weichen müssen, haben wir 5,5 Kilometer neue Gleisstrecke zu bauen, um den Schienenverkehr des Hafens zu verbessern.“ Außerdem werden 16 Weichen, die Oberleitungen sowie die Leit- und Sicherungstechnik erneuert. Noch dieses Jahr wird in dem Gleisabschnitt in Höhe Siebenbrüderweide auch mit dem Bau einer neuen Lärmschutzwand begonnen.

Auch im Bereich der künftigen Straßenbrücke über den Ernst-August-Kanal im Norden Wilhelmsburgs laufen laut Projektleiter Steinkühler die Arbeiten auf vollen Touren. Für die Brücke muss die Straße Vogelhüttendeich verschwenkt werden. Der gesamte Untergrund des Geländes ist wenig tragfest. Wo die Brücke stehen soll, werden Bohrpfähle in den Boden gedreht. Für die Straßendämme wird zunächst mehr Erdreich aufgefahren als später notwendig. Das höhere Gewicht soll verhindern, dass sich die Straße später unter der Verkehrsbelastung noch setzt.

Die DEGES kündigt an, künftig an jedem letzten Mittwoch eines Monats die Bewohner Wilhelmsburgs mit einer Bürgersprechstunde auf dem Laufenden zu halten. Mit der Verlegung von Bahngleisen und Straße wird laut DEGES auch das Ziel verfolgt, die Lärmbelastung der Bewohner gegenüber der bisherigen Situation deutlich zu verringern.