Harburg
  • Nachrichten                                                                                                                                                           13.03.17

Harburg.  Hamburg gehört zu den Regionen Deutschlands, die bei der EU-Kommission wegen chronisch erhöhten Luftschadstoffwerten vor allem beim Stickoxid (NO2) negativ aufgefallen sind und bislang nur unzureichende Gegenmaßnahmen ergriffen haben. Dies treffe auch für Harburg zu, kritisiert die Fraktion Neue Liberale der Bezirksversammlung. Sie fragt die Hamburger Umweltbehörde nach aktuellen Daten zur Belastungssituation an stark befahrenen Straßen des Bezirks.

Stickoxide und auch Feinstaub werden zu einem Großteil vom Straßenverkehr verursacht. Im Bezirk Harburg gibt es keine amtlich Luftmessstation an stark befahrenen Straßen. Die einzig existierende Station in Neugraben-Fischbek liegt im Grünen und dient der Erfassung der Hintergrund-Belastung, also der Schadstoffsituation an einem möglichst unbelasteten Standort. Entsprechend sind die dort erhobenen Werte im doppelten Sinne alle im grünen Bereich.

Ein Gutachten aus dem Jahr 2010, so argumentieren die Neuen Liberalen, habe aber gezeigt, dass der EU-Grenzwert für die NO2-Belastung mancherorts überschritten wurde: Am Alten Postweg, der Buxtehuder und Stader Straße, am Krummholzberg und an der Schwarzenbergstraße. An anderen Straßen sei der Grenzwert nur knapp eingehalten worden.

Luftreinhalteplan muss bis Juli fortgeschrieben sein

Nachdem die Stadt Hamburg im Juli 2016 vom Verwaltungsgericht verpflichtet wurde, ihren Luftreinhalteplan bis Juli 2017 zu aktualisieren, sollten inzwischen „neue Erkenntnisse zur verkehrsbedingten Abgasbelastung in Hamburg sowie im Bezirk Harburg vorliegen“, argumentieren die Neuen Liberalen. Sie fragen nach jüngeren Jahresmittelwerten für NO2 und verschiedene Feinstaub-Varianten an stark befahrenen Straßen sowie an Straßenabschnitten vor Schulen, Kindertagesstätten, Seniorenheimen und Krankenhäusern.

Erhebungen aus 2013/14 liegen zumindest für die Bremer Straße vor. Dort erfasste das Institut für Hygiene und Umwelt von Juli 2013 bis Juli 2014 die NO2-Belastung von drei Straßenabschnitten. Besonders schlecht fiel das Ergebnis an der Stelle aus, wo der Autobahnzubringer B 75 in die Bremer Straße einmündet – der festgestellte Jahresmittelwert lag bei 42 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (μg/m³) und damit knapp über dem zulässigen Grenzwert von 40 Mikrogramm. Zur gleichen Zeit registrierte die Neugrabener Station 15 μg/m³. Das zeigt, dass fast zwei Drittel der NO2-Belastung an der Bremer Straße vom Verkehr herrührt. Auch an den Messstellen im Innenstadtbereich (vor der Hausnummer 28a) und stadtauswärts an der Einmündung vom Metzendorfer Weg lagen die Werte mit 36 beziehungsweise 35 μg/m³ kaum niedriger.

„Der gemessene Wert von 42 μg/m³ NO2 kann angesichts der Mess­unsicherheit (…) von 5 μg/m³ nicht als eindeutige Grenzwertüberschreitung gewertet werden“, heißt es in dem Bericht des Instituts, der im Mai 2015 veröffentlicht wurde. Er rechnete aufgrund einer „ständigen Veränderung der Fahrzeugflotte in Richtung auf emissionsärmere Fahrzeuge“ tendenziell mit einem Rückgang der Belastung. Nur vier Monate später flogen die Abgas-Manipulationen in VW-Dieselfahrzeugen auf.