Artikel getaggt mit Klima

An vielen Harburger Straßen herrscht dicke Luft

Harburg
  • Nachrichten                                                                                                                                                           13.03.17

Harburg.  Hamburg gehört zu den Regionen Deutschlands, die bei der EU-Kommission wegen chronisch erhöhten Luftschadstoffwerten vor allem beim Stickoxid (NO2) negativ aufgefallen sind und bislang nur unzureichende Gegenmaßnahmen ergriffen haben. Dies treffe auch für Harburg zu, kritisiert die Fraktion Neue Liberale der Bezirksversammlung. Sie fragt die Hamburger Umweltbehörde nach aktuellen Daten zur Belastungssituation an stark befahrenen Straßen des Bezirks.

Stickoxide und auch Feinstaub werden zu einem Großteil vom Straßenverkehr verursacht. Im Bezirk Harburg gibt es keine amtlich Luftmessstation an stark befahrenen Straßen. Die einzig existierende Station in Neugraben-Fischbek liegt im Grünen und dient der Erfassung der Hintergrund-Belastung, also der Schadstoffsituation an einem möglichst unbelasteten Standort. Entsprechend sind die dort erhobenen Werte im doppelten Sinne alle im grünen Bereich.

Ein Gutachten aus dem Jahr 2010, so argumentieren die Neuen Liberalen, habe aber gezeigt, dass der EU-Grenzwert für die NO2-Belastung mancherorts überschritten wurde: Am Alten Postweg, der Buxtehuder und Stader Straße, am Krummholzberg und an der Schwarzenbergstraße. An anderen Straßen sei der Grenzwert nur knapp eingehalten worden. Den Rest des Eintrags lesen. »

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Smog in China

Gewaltige Smog-Glocke

„Airpocalypse“ in China sprengt Messwerte

20.12.2016, 10:03 Uhr | dpa

Seit Tagen müssen Millionen Chinesen unter einer gewaltigen Smog-Glocke leben. Eine schnelle Besserung der Lage ist nicht in Sicht.

Trotz Fahrverboten und Fabrikschließungen hat sich der gefährliche Smog im Norden Chinas weiter ausgebreitet. 460 Millionen Menschen in sechs Provinzen waren am Dienstag „stark verschmutzter“ oder „gefährlicher“ Luft ausgeliefert, teilte die Umweltorganisation Greenpeace mit. Demnach sei die Smog-Glocke, die sich seit vergangenem Freitag über Peking und vielen anderen Städten ausbreitet, die bisher schlimmste in diesem Jahr.

Warnstufe „Rot“

Der ausgerufene Smog-Alarm der höchsten Warnstufe „Rot“ verdeutliche zwar, dass die Regierung die Verschmutzung ernst nehme. Die erneute „Airpocalypse“ zeige aber auch, dass China den Verbrauch von Kohle schneller zurückfahren und den Umbau der Wirtschaft entschlossener vorantreiben müsse, sagte Greenpeace-Klimaexperte Dong Liansai.

Bau-Boom und dreckige Kohle

Derzeit passiere das Gegenteil: Peking hat der Luftverschmutzung in den Großstädten zwar den Kampf angesagt. Auch soll die Wirtschaft des Landes von ihrer dreckigen Schwerindustrie befreit und dafür auf mehr Technologie und Innovation gesetzt werden. Fortschritte, die bis Mitte diesen Jahres erzielt wurden, seien jedoch wieder zum Erliegen gekommen, so Greenpeace. Staatliche Stimulus-Programme für die Wirtschaft hätten einen Bau-Boom ausgelöst, weshalb die Stahl- und Kohlenproduktion nun wieder auf Hochtouren laufe.

Dreckige Kohle, mit denen in den Wintermonaten im Norden Chinas geheizt wird, trägt zusätzlich zur schlechten Luftqualität bei.

Das Achtzehnfache des Grenzwertes der WHO

Wegen der extremen Luftverschmutzung hatten Peking und über 20 andere Städte in der Region am Freitag die höchste Smog Alarmstufe ausgerufen, die Fahrverbote, Fabrik- und Schulschließungen zur Folge hatte. Laut Pekings Umweltbehörde haben die Maßnahmen dazu beigetragen, dass die Luftqualität nicht noch schlechter ist. Dennoch ergaben Messungen für gefährlichen Feinstaub (PM2,5) in Peking am Dienstag Werte von über 450 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft – das Achtzehnfache des Grenzwertes der Weltgesundheitsorganisation (WHO). 

In einigen Städten erreichte die Konzentration von Feinstaub, der über die Lunge ins Blut gelangen und Krebs verursachen kann, solche Ausmaße, dass sie auf Chinas offizieller Skala für Luftqualität nicht mehr erfasst werden konnte. Laut Vorhersagen dürfte sich die Luftqualität in Peking ab Mittwochabend durch kalten Nordwind kurzzeitig bessern. Schon bald darauf sollen aber weitere Smog-Wellen folgen.

http://www.t-online.de/wetter/wetter-aktuell/smog-in-china-airpocalypse-sprengt-messwerte/79873580

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Feinstaub

swr.de

Erster Feinstaubalarm in Stuttgart:

Die Skepsis ist groß | Baden-Württemberg | Nachrichten

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Feinstaub gibt es auch in Hamburg (Foto: Engagierte Wilhelmsburger  17.01.2016)

Tausende Pendler sollen ab Montag in Stuttgart ihr Auto stehen lassen. Es gilt erstmals Feinstaubalarm. Die Skepis, dass der Appell zum freiwilligen Verzicht aufs Auto funktioniert, ist groß.

Von Mitternacht an sind die Verkehrsteilnehmer aufgefordert, mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt zu fahren oder Fahrgemeinschaften zu bilden. Bereits ab Sonntagabend sollten die Stuttgarter auch auf ihre sogenannten Komfort-Kamine verzichten, die nur zusätzliche Wärmequelle sind. Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) hatte am Samstag an die Bürger appelliert, ihr Auto an den Alarmtagen möglichst stehen zu lassen. Fahrverbote gibt es aber nicht.

„Reine Scheinveranstaltung“

Genau das ruft die Skeptiker auf den Plan. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) etwa hält wenig von einer Freiwilligkeit. Sie forderte Fahrverbote, ebenso der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Die Bürgerinitiative „Neckartor“ geht noch weiter. Für sie ist der Feinstaubalarm „eine reine Scheinveranstaltung“. So lange das Ganze ohne Konsequenzen für die Autofahrer bleibe, sei es im Grunde ein „absurdes Schauspiel“, so Peter Erben von der Initiative. Die Anlieger der Kreuzung nahe dem Stuttgarter Stadtzentrum haben seit Jahren mit den bundesweit höchsten Feinstaub- und Stickoxidwerten zu kämpfen.

Per Klage Fahrverbot erreichen

Die DUH hat zudem eine Klage gegen Stuttgart aber auch andere Städte angestrengt, um diese zu konkreten Schritten gegen die Luftverschmutzung zu zwingen. Sie wirft der Stadt auch vor, sie berücksichtige hier die Interessen der Autohersteller Porsche und Daimler.

Zulässiger Wert wird regelmäßig überschritten

Zum ersten Mal hat die Landeshauptstadt den Feinstaubalarm ausgelöst. Stuttgart setzt als erste deutsche Großstadt auf diesen Weg, um gegen die hohe Schadstoffbelastung vorzugehen. Denn nirgends sonst gilt die Luft als so stark belastet. Seit Jahren ringen Stadt und Land um Lösungen zur Verringerung der Luftverschmutzung. Auch die EU macht Druck. Denn der zulässige EU-Grenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft wird in Stuttgart regelmäßig überschritten. Vor allem die Kessellage sorgt dafür, dass bei einer bestimmten Wetterlage der Luftaustausch problematisch ist.

Dauer von zunächst 24 Stunden

Der Feinstaubalarm gilt zunächst für 24 Stunden. Auf Hinweistafeln an Straßen, auf Brückenbannern und über Verkehrsmeldungen im Radio wird die Bevölkerung über den Feinstaubalarm informiert. Der Feinstaubalarm soll mindestens an zwei aufeinanderfolgenden Tagen gelten. Sollte sich die Wetterlage nicht verändern, wird er bei Bedarf um weitere 24 Stunden verlängert.

Stand: 17.1.2016, 16.21 Uhr

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Aktivisten demonstrieren gegen Kohlekraftwerk

abendblatt.de

 Johanning

06.12.15

fahrraddemo-moorburg-008-bf50f879-7664-402d-8430-7b000202153e Foto: JOTO

Am Samstagnachmittag demonstrierten etwa 100 Personen gegen das Kohlekraftwerk in Moorburg. Die Demonstrationsteilnehmer fuhren vom S-Bahnhof Wilhelmsburg mit dem Fahrrad bis zu dem vor kurzem eröffneten Kohlekraftwerk. Dort hielten sie ein Open-Mic ab. +++ Vertrag Tobias Johanning +++ Foto: JOTO

„Wir sind die letzte Generation, die den Klimawandel stoppen kann.“ Viele Teilnehmer sehen auch die Klimakonferenz in Paris skeptisch

Moorburg.  Bei frischem Wind fuhren am Sonnabendnachmittag etwa 100 Radfahrer zum Kraftwerk Moorburg , um gegen das Kohlekraftwerk zu demonstrieren. Die Demonstranten sehen in dem erst kürzlich offiziell eingeweihtem Kraftwerk „Norddeutschlands größte CO .

Die Fahrraddemonstration startete am S-Bahnhof Wilhelmsburg. Mit Polizeibegleitung ging es innerhalb einer dreiviertel Stunde zügig zum Kraftwerk . Dort tauschten sich die Aktivisten über ein offenes Mikrofon über das Kohlekraftwerk und die zurzeit in Paris stattfindende Klimakonferenz aus. Außerdem diskutierten die Demonstranten darüber, wie sie den Betreiber Vat­tenfall effektiv blockieren könnten.

Erhard Buschmann von der Gruppe Gegenstrom erklärte dabei: „Pro Jahr stößt das Kraft­werk im durchschnittlichen Be­trieb 8,7 Mio. Tonnen CO2 aus. Das sind ein Drittel der gesamten Treibh­ausgase Hamburgs.“ Große Mengen gesundheitsgefährden­der Schadstoffe würden insbesondere auf die Stadttei­le Wilhelmsburg, Veddel, Rothenburgsort und Billstedt zukommen.

Die Fahrraddemonstration wurde von Gegenstrom Hamburg organisiert. Sie setzt sich seit 2008 gegen das Kraftwerk ein. Vor sieben Jahren war es im Rahmen eines sogenannten Klimacamps bereits 40 Aktivisten der Kampagne gelungen, mit einer Überraschungsaktion den Bauplatz und einen Kran auf der Vattenfall-Baustelle kurzzeitig zu besetzen. Dann räumte die Polizei das Gelände. Seitdem reihen sich größere und kleinere Protestaktionen aneinander.

„Es führt kein Weg an einem Kohleausstieg vorbei“, sagt Buschmann. Ansonsten würde es keine Möglichkeit geben, den Klimawandel zu stoppen. „Wir sind die letzte Generation, die den Klimawandel stoppen kann.“ Viele Teilnehmer der Demonstration sehen deshalb auch die Klimakonferenz in Paris skeptisch. Jennifer Havemann von Gegenstrom: „Die Logik der unendlichen Ausbeutung von Rohstoffen auf ei­nem endlichen Planeten muss gestoppt werden. Genau das steht nicht auf der Agenda der Welt­klimakonferenz.“ Seit der ersten Weltklimakonferenz sei der CO2-Wert auf der Welt um 60 Prozent angestiegen. Daran würde man die Nachhaltigkeit der Konferenzen sehen, kritisieren die Umweltaktivisten.

„Was angestellt wird, kann auch wieder abgestellt werden“, erklärt Erhard Buschmann zum Abschluss des offenen Mikrofons vor dem Kohlekraftwerk Moorburg.

(tjo)

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Stromerzeugung aus Kohle in Hamburg verdoppelt

abendblatt.de

Stromerzeugung aus Kohle in Hamburg verdoppelt

Hamburger Abendblatt – Hamburg

26.11.15

Moorburg

Durch den Beginn des Probebetriebs im Kraftwerk Moorburg erhöhte sich die Stromproduktion in Hamburg um 74 Prozent.

Hamburg. In Hamburg hat sich 2014 die Stromerzeugung aus Kohle im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Dies gab das Statistikamt Nord am Donnerstag bekannt.

Die Verdopplung ist durch die Inbetriebnahme des Kohlekraftwerks in Moorburg zu erklären, das Ende Februar 2014 mit einem Probebetrieb ans Netz ging. Die Menge des so erzeugten Stroms stieg auf 2,8 Millionen Megawattstunden 2014, so das Statistikamt Nord. Die Stromerzeugung aus Kohle wird auch zukünftig einen hohen Stellenwert in Hamburg haben. Erst vor einer Woche wurde das Kraftwerk in Moorburg durch Olaf Scholz offiziell in Betrieb genommen .

In Hamburg wird gut 84 Prozent des Stroms aus fossilen Energieträgern, wie Kohle (68,8 Prozent), Mineralöle (0,4 Prozent) und Gase (14,9 Prozent) erzeugt. Strom aus erneuerbaren Energien machen 12,2 Prozent aus. Dabei wird der meiste Strom aus Biomasse (4,0 Prozent) und Windkraft (2,1 Prozent) erzeugt.

Insgesamt wurde 2014 in Hamburg vier Millionen Megawattstunden Strom erzeugt. Laut Statistikamt Nord ist die Stromerzeugung damit um 73,6 Prozent zu 2013 gestiegen.

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„Saubere Luft in Deutschland“

Pressemitteilung
19.11.2015, 09:05 Uhr
Dieselabgase: Deutsche Umwelthilfe startet bisher größte Klagewelle für „Saubere Luft in Deutschland“

Aus für Dieselstinker: DUH setzt in elf Großstädten Fahrverbote für schmutzige Dieselfahrzeuge auf dem Klageweg durch – Besonderer Fokus liegt auf dem Ausbau eines „sauberen“ ÖPNV – Schmutzige ÖPNV-Diesel-Busse müssen kurzfristig ersetzt oder nachgerüstet werden – In München, Darmstadt und Wiesbaden leitet die DUH Zwangsvollstreckungsverfahren ein

abgas

In vielen deutschen Städten werden die EU-Grenzwerte für Stickstoffdioxid nach wie vor überschritten. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat mit Unterstützung der britischen Nichtregierungsorganisation ClientEarth deshalb heute (19.11.2015) Klage gegen mehrere für die Luftreinhalteplanung zuständige Bundesländer eingereicht. Betroffen sind die Städte Köln, Bonn, Aachen, Düsseldorf, Essen, Gelsenkirchen, Frankfurt am Main und Stuttgart. Die DUH will die Bundesländer damit verpflichten, ihre Luftreinhaltepläne zu ändern. Ziel muss sein, dass diese alle geeigneten Maßnahmen enthalten, um den seit vielen Jahren geltenden Grenzwert so schnell wie möglich einzuhalten.

Die DUH hat außerdem gegen das bayerische und das hessische Umweltministerium Zwangsvollstreckungsmaßnahmen wegen der Grenzwertüberschreitungen in München, Darmstadt und Wiesbaden beantragt. Dort sind bereits rechtskräftige Urteile ergangen, die nicht eingehalten werden. Die DUH beantragt nun die Androhung von Zwangsgeldern gegenüber den beiden zuständigen Landesministerien wegen Nichtumsetzung der Urteile. Das Gesetz sieht ein maximales Zwangsgeld von 10.000 Euro vor; dieses kann wiederholt und auch pro Tag festgesetzt werden.

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Trotz Klima-Wandel: Hamburg nimmt Kohlekraftwerk in Betrieb

deutsche-wirtschafts-nachrichten.de

Trotz Klima-Wandel: Hamburg nimmt Kohlekraftwerk in Betrieb

In rund zwei Wochen beginnt der Pariser Klimagipfel. Und trotz der Klimaziele wird Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz am Donnerstag das riesige und hoch umstrittene Kohlekraftwerk Moorburg eröffnen. Schon jetzt kostet die Kohle-Industrie den Steuerzahler Milliarden.

Vor und nach dem Bau des Kohlekraftwerks Moorburg hat es heftigen Widerstand in Hamburg gegeben. (Foto: dpa)

Ein bisschen Trickserei ist bei der Eröffnung des Kohlekraftwerks Moorburg am Südufer der Elbe dabei. Die beiden Blöcke mit jeweils 827 Megawatt Leistung arbeiten bereits seit mehreren Monaten im Regelbetrieb. Block B ging Ende Februar nach langen Probeläufen und Tests kommerzielle in Betrieb, Block A Ende August. Ein knappes Vierteljahr später drückt der Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) an diesem Donnerstag (19.11.) auf einen Knopf, um das Kraftwerk symbolisch, aber offiziell in Betrieb zu nehmen.

Die kleine Show, die Scholz und die Vattenfall-Chefs bei der Eröffnung abziehen, ist bezeichnend für das gesamte Projekt. Zu diesem Kraftwerk führte kein gerader, sondern ein krummer Weg. Erst überredete der Hamburger Senat den Kraftwerksbetreiber Vattenfall zu einem doppelt so großen Kraftwerk als dieser eigentlich bauen wollte. Dann kamen die Grünen in die Regierung und versuchten, Moorburg zu verhindern, indem sie die Umweltauflagen immer weiter verschärften.

Am Ende einer verschlungenen Geschichte steht nach zehn Jahren Planungs-, Bau- und Erprobungszeit nun ein Kraftwerk, das wie aus der Zeit gefallen scheint. Es kann die Millionenmetropole Hamburg fast allein mit Strom versorgen und stößt bei vollem Betrieb rund 8,5 Millionen Tonnen CO2 jährlich aus. In die aktuelle Energiepolitik auf Bundes- und Länderebene passt Moorburg scheinbar überhaupt nicht mehr hinein. Längst sind die Weichen gestellt für Strom aus Sonne und Wind. Doch bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass Moorburg für die Metropolregion Hamburg unentbehrlich ist – wenn auch viel zu groß.

„Ohne Moorburg funktioniert Hamburg nicht“, sagt Pieter Wasmuth, der Vattenfall-Chef für den Norden. Seit Beginn dieses Jahres hat das Kraftwerk fünf Millionen Megawattstunden Strom ins Netz eingespeist. Moorburg liefert Strom auf Anforderung des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint. Dann speisen Wind- und Solarkraftwerke keinen oder nicht genug Strom in das Netz der Metropolregion. Das reicht, um das Kraftwerk ungefähr zur Hälfte auszulasten. Die erzeugte Strommenge ist so gewaltig, dass sie allein das Hamburger Bruttoinlandsprodukt im ersten Halbjahr um einen halben Prozentpunkt nach oben hievte.

Hamburg hat große industrielle Stromverbraucher: Die Kupferhütte Aurubis, das Stahlwerk von ArcelorMittal oder das Aluminiumwerk von Trimet brauchen jeweils so viel Strom wie eine ganze Kleinstadt. Rund um die Uhr, ebenso wie der Hafen oder die Flugzeugproduktion von Airbus. Deshalb benötigt Hamburg auch in der Nacht eine Leistung von 1200 Megawatt; am Tage sind es um die 1600 Megawatt. Ungefähr die Hälfte des Stroms kommt aus Moorburg – und das wird für die nächsten Jahrzehnte auch so bleiben. Selbst wenn bis 2050 rund 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien kommen sollten, wie es die Bundesregierung anstrebt, bleiben immer noch 20 Prozent konventionell erzeugter Strom.

Das Kraftwerk ist nun etwas anders gebaut als zunächst geplant. Es liefert keine Fernwärme in den Hamburger Westen, dafür ist es sehr flexibel bei seiner Stromerzeugung. Innerhalb von einer Viertelstunde kann die Anlage die Leistung um 600 Megawatt hoch- oder runterfahren. «Die Flexibilität nutzt uns sehr bei der Wirtschaftlichkeit», sagt Wasmuth. Ist der Strom knapp und wird rasch gebraucht, dann ist er auch teuer. Moorburg kann immer schnell liefern. Trotz der Unterauslastung arbeitet das Kraftwerk laut Wasmuth in der Gewinnzone. Von den drei Milliarden Euro Baukosten hat Vattenfall allerdings eine Milliarde Euro abgeschrieben. Dieses Geld ist weg.

Die Steuerzahler in der Europäischen Union finanzieren Europas Kohleindustrie mit jährlich rund zehn Milliarden Euro. Allein in Deutschland erhalte die stark klimaschädigende Industrie pro Jahr etwa 3,7 Milliarden Euro Steuergelder, teilte die Heinrich-Böll-Stiftung am Freitag mit. Im internationalen Coal Atlas 2015, den die den Grünen nahestehende Stiftung gemeinsam mit der Nichtregierungsorganisation Friends of the Earth International erstellt hat, heißt es, in der EU seien von 1990 bis 2007 an die 200 Milliarden Euro öffentlicher Gelder in die Kohleförderung geflossen.

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Umwelt – Wolke vor dem Kindergarten

  • Im vorigen Jahr überschritten fast zwei Drittel der deutschen Messstationen den Stickoxid-Höchstwert der EU – 40 Mikrogramm je Kubikmeter. Hauptverursacher ist der Verkehr.
  • Mehr als zwei Drittel in den Städten gehen auf das Konto von Diesel-Autos.
  • Das Gas bleibt beim Einatmen teils in den Atemwegen hängen und kann asthmatische Reaktionen auslösen.

Das Neckartor unten im Stuttgarter Talkessel ist so berühmt wie berüchtigt. Der Feinstaub liegt hier seit Jahren so dicht in der Luft, das diese Kreuzung als „Deutschlands schmutzigste Adresse“ bekannt ist. Aber das ist nicht das einzige Problem. Die Stickoxid-Belastungen sind an vielen Orten in Stuttgart zu hoch. „Wir haben dieses Jahr etwa am Neckartor an 53 Stunden Überschreitungen gehabt“, sagt ein Sprecher der Stadt. „Und wir versuchen, das zu verbessern.“ Zum Beispiel mit dem Aufruf zum Bahnfahren. Oder mit Tempolimits, an manchen Steigungsstrecken gelten 40 Kilometer pro Stunde.Das Reizgas bringt einige Städte in eine prekäre Lage, nicht nur Stuttgart. In der Atemluft dürfen 40 Mikrogramm Stickoxid je Kubikmeter enthalten sein, so schreibt es der Jahresgrenzwert der EU vor. Im vergangenen Jahr überschritten fast zwei Drittel der deutschen Messstationen diesen Wert – darunter vor allem die städtischen. Während etwa in Berlin alle sechs Stationen zu viele Stickoxide meldeten, war es in Brandenburg nur eine von sieben. „2015 hat sich die Situation nach den bislang vorliegenden Daten nicht wesentlich gebessert“, sagt Maria Krautzberger, die Chefin des Umweltbundesamtes. „Und der Hauptverursacher ist der Verkehr.“

Mehr als zwei Drittel der Stickoxide in den Städten gehen auf das Konto von Diesel-Autos. Zwar stoßen auch Lastwagen viel Stickoxid aus, das aber vor allem entlang der Autobahnen. Der Diesel-Pkw dagegen bringt seine Fracht bis vor den städtischen Kindergarten.

Ein Faktor, der die Gesundheit negativ beeinflusst

Stickoxide sind „klassische Reizgase“, sagt Martin Göttlicher, Toxikologie-Professor an der TU München. Das Gas bleibe beim Einatmen teils in den Atemwegen hängen und könne asthmatische Reaktionen auslösen. Teils gelange es aber bis zu den Lungenbläschen – und könne bei hohen Dosen letztlich eine Lungenentzündung auslösen. Immerhin: Krebserregend ist es wohl nicht. „Es stirbt nicht sofort jemand an Stickoxidbelastungen aus der Umwelt“, sagt Göttlicher. „Aber es ist ein Faktor, der die Gesundheit negativ beeinflusst – insbesondere, wenn Lunge und Atemwege schon vorgeschädigt sind.“Wie viele Stickoxide durch Autos in die Umwelt gelangen, hat das Umweltbundesamt gerade noch einmal nachgerechnet. 78 000 Tonnen landen aus Auto-Auspuffen in den Städten, davon fast drei Viertel aus Diesel-Motoren. Der Automobilverband VDA kommt bei eigenen Berechnungen zu deutlich niedrigeren Werten. Demnach emittieren die sieben Millionen Diesel-Autos mit Euro 5-Norm ungefähr so viel wie sieben Braunkohlekraftwerke von der Größe des sachsen-anhaltischen Kraftwerks Schkopau. Doch die Autos sind nicht irgendwo im Saalekreis, sondern oft mitten in den Städten. Erfüllten diese Autos schon die neuere Euro 6-Norm, könnten sich die Emissionen mehr als halbieren. Bislang halten rund 1,2 Millionen Autos die neue Norm ein. „Umso wichtiger ist es auch aus Umwelt-ründen, eine rasche Erneuerung des Bestands zu erreichen“, wirbt der VDA. Dumm nur, dass auch bei den Euro-5-Fahrzeugen die Emissionen in der Realität viel höher ausfallen als in den Tests – sogar höher als jene der weniger strengen Euro-4-Norm.

Umwelt Jede Regelung ist nur so gut wie deren Kontrolle

„Die Erfahrungen mit dem VW-Skandal zeigen, dass jede Regelung nur so gut ist wie deren Kontrolle“, sagt UBA-Präsidentin Krautzberger. „Wir empfehlen eine unabhängige, transparente und gebührenfinanzierte Überwachung der in Betrieb befindlichen Fahrzeuge.“ Kurzum: Autos sollen nicht mehr nur einmalig für die Betriebserlaubnis untersucht werden, sondern auch danach per „Feldüberwachung“. „Die sollte dann auch mit Konsequenzen verbunden sein, wenn Grenzwerte nicht eingehalten werden“, fordert die Behördenchefin. Denkbar seien „Strafzahlungen in nennenswerter Höhe, ähnlich, wie es in den USA praktiziert wird“.

Das wäre für deutsche Verhältnisse eine ziemliche Kehrtwende, denn bislang genügt die vom Kraftfahrt-Bundesamt ausgestellte allgemeine Betriebserlaubnis, um die Einhaltung europäischer Grenzwerte nachzuweisen. Doch der Dessauer Umweltbehörde reicht das nicht mehr. „Für die Umweltpolitik wurde an diesem Fall überdeutlich, dass es nicht genügt, Grenzwerte festzulegen“, sagt Krautzberger. Welche Behörde nun konkret zusätzlich überwachen solle, müsse die Politik entscheiden. Das Umweltbundesamt helfe aber gerne. Umweltschützer fordern schon länger, dass dies die Umweltbehörde übernimmt. „Das Kraftfahrt-Bundesamt hat das Vertrauen verspielt“, sagt etwa Gerd Lottsiepen, Umweltexperte beim Verkehrsclub Deutschland. Denn die Daten der Luftüberwachung zeigten, dass etwas nicht stimmt: „Die Luft müsste viel besser sein.“

Und wenn die Werte zu hoch bleiben, es zu wenig saubere bessere Diesel gibt? „Wir in Stuttgart werden dann aufgrund des Drucks durch die EU Beschränkungen einführen müssen“, sagt Uwe Lahl, Amtschef in Baden-Württembergs Verkehrsministerium. Etwa, dass von 2019 an nur noch Benziner und neue Euro-6-Diesel in der Stadt fahren dürfen.

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Das „CO2-Monster“ arbeitet

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Jetzt geht der zweite Block ans Netz und produziert kommerziell Energie. (Foto: pr)

Kraftwerk Moorburg: Der zweite Block geht ans Netz

Moorburg – Es ist das größte Steinkohlekraftwerk Deutschlands: der Vattenfall-Gigant in Moorburg. In dieser Woche wird der auch der zweite Block kommerziell Energie produzieren. Die beiden Öfen in den 102 Meter hohen Kesselhäusern werden angeheizt.

Wie viel Strom produziert das Kraftwerk?
Der Meiler kann 1.650 Megawatt Strom erzeugen. Das reicht, um 85 Prozent des Hamburger Stromverbrauchs zu decken. Geht das Atomkraftwerk Brockdorf wie geplant 2021 vom Netz, ist Moorburg das einzige große Kraftwerk im Norden.
Doch es wird nur noch als Lückenfüller gebraucht­ ­ ­– und für die Industrie: das Alu-Werk Trimet, die Kupferhütte Aurubis und das Stahlwerk Arcelor Mittal verbrauchen zusammen rund ein Drittel des Hamburger Stroms, sind auf sichere Stromversorgung angewiesen.

Warum ging das Kraftwerk erst jetzt in Betrieb?
Die vorläufige Baugenehmigung wurde im Jahr 2007 vom scharz-grünen Senat erteilt, der Meiler im Jahr 2008 genehmigt. Eigentlich sollte das Kraftwerk im Jahr 2012 fertig gestellt sein. Doch eine Panne folgte auf die nächste, Auflagen für den Umweltschutz mussten erfüllt werden. Die Inbetriebnahme verzögerte sich dadurch immer wieder.

Warum gibt es immer noch Streit ums Kraftwerk?
Moorburg ist ein Kraftwerk, das aus Steinkohle Strom erzeugt. Dafür verbraucht der Meiler 11.000 Tonnen Steinkohle – täglich Bei voller Auslastung werden 8,5 Millionen Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid pro Jahr in die Luft gepustet. Dazu kommen noch 1,12 Tonnen Quecksilber, die bei voller Auslastung beider Kraftwerksblöcke ausgestoßen werden dürfen.
Schlecht für Hamburg, denn bereits seit dem Jahr 2010 verstößt die Stadt gegen die Grenzwerte der Europäischen Union für die Schadstoffbelastung der Atemluft. Die Luft ist nicht sauber genug. Im November 2014 entschied das Hamburger Verwaltungsgericht, Hamburg müsse schnell etwas tun, um die Grenzwerte einzuhalten. Jetzt will die rot-grüne Koalition einen neuen Plan für saubere Luft erarbeiten.
Doch das wird schwierig, denn das Kohlekraftwerk Moorburg nimmt erst jetzt seine Arbeit auf. Sein Schadstoffausstoß tauchte bislang in keiner Statistik auf.

Wie teuer war das Kraftwerk?
Die Baukosten stiegen von ursprünglich 1,7 auf knapp drei Milliarden Euro.

Rechnet sich das Kraftwerk?

Das ist fraglich. Vattenfall rechnete mit Gewinnen aus der Fernwärme. Doch die Fernwärmeleitung durch Altona wurde bereits gerichtlich gestoppt.

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Kohlekraftwerk Moorburg: „Coal Kills“: Protest mit Paddelbooten und Transparenten

mopo.de

Hamburger Morgenpost
Paddelboote vor dem Kohlekraftwerk Moorburg

Paddelboote vor dem Kohlekraftwerk Moorburg
Foto: Lamprecht

Paddeln gegen Kohle: Rund 40 Umwelt- Aktivisten von „Gegenstrom Hamburg“ und Robin Wood haben am Sonnabendnachmittag mit Paddelbooten auf der Elbe vor dem Kohlekraftwerk Moorburg demonstriert. Weitere 50 Menschen hatten ein Transparent an der Kattwykbrücke befestigt: „Coal Kills“.

Der Plan, mit den kleinen Booten den Anleger für die Kohle-Schiffe zu blockieren, konnte nicht umgesetzt werden: Just an diesem Nachmittag kam keine Kohlelieferung.

Die Demonstranten sind trotzdem zufrieden mit der Aktion. Erhard Buschmann von „Gegenstrom“: „Es ist schlicht Wahnsinn, im 21. Jahrhundert noch Kraftwerke mit der Dinosauriertechnologie der Kohlverstromung in Betrieb gehen zu lassen.“

Demonstranten mit Plakat im Schlauchboot
Demonstranten mit Plakat im Schlauchboot

 Foto: Lamprecht

Die Kohlegegner prangern die großen Mengen Feinstaub, Schwermetalle und Stickoxide an, die die Kraftwerk-Schornsteine in den Hamburger Himmel schicken. Pro Jahr wird das hochmoderne Kraftwerk acht bis neun Millionen Tonnen CO2 ausstoßen. Zum Vergleich: Ganz Hamburg, inklusive Autoverkehr, Privathaushalte und Industrie erzeugt 18 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr.

Erhard Buschmann: „Insbesondere für die Menschen im Hamburger Südosten bedeutet Moorburg ein erhöhtes Risiko von Kreislauf-, Lungen- und Krebserkrankungen.“
Bisher ist nur ein Block im kommerziellen Betrieb, der zweite läuft noch zur Probe.

Kohlekraftwerk wie Moorburg sollen laut „Erneuerbare Energiengesetz“ nur eine Art „Back up“ sein und Strom erzeugen, wenn nicht genug Energie aus erneuerbaren Quellen ins Netz gespeist wird. Dass die CO2-Schleuder an der Elbe wirklich nur bei Wolken und Windstille angeworfen wird, bezweifeln die Gegner allerdings. Erhard Buschmann: „Das Gesetz erlaubt Energienkonzernen, ihre Kohlekraftwerke auch dann mit voller Kraft zu betreiben, wenn es genug Wind-und Solarstrom gibt. Den Strom, den sie dann erzeugen, können sie in andere Länder exportieren.“

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